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Manuelle Therapie

Manuelle Therapie ist die geschützte physiotherapeutische Behandlungsform, die mittels einer Heilmittelverordnung durch den behandelnden Arzt (auch Hausarzt) nach vorheriger Diagnosestellung verordnet werden kann. Die Menge der verordneten Therapien richtet sich nach der Diagnose und dem bundeseinheitlichen Heilmittelkatalog von 2004, der die Behandlungsmenge festsetzt. Die Ausbildung zum Manualtherapeuten umfasst eine mindestens 260 stündige Fortbildung, die in den meisten zugelassenen Fortbildungseinrichtungen weit über diese Mindeststundenzahl hinausgeht. In der Regel umfasst diese ca. 400 Stunden mit einer zusätzlichen Abschlussprüfung. Diese Zusatzqualifikation berechtigt den Physiotherapeuten zur Abrechnung der Heilmittelposition „Manuelle Therapie“.

Definition Manuelle Therapie:
Die Manuelle Medizin befasst sich im Rahmen der üblichen diagnostischen und therapeutischen Verfahren mit reversiblen Funktionsstörungen am Haltungs- und Bewegungsapparat. Sie benutzt manuelle diagnostische und therapeutische Techniken an der Wirbelsäule und an den Gelenken der Extremitäten, die zur Auffindung und Behandlung dieser Störungen dienen. Die therapeutischen Techniken unterstützen die Wiederherstellung der physiologischen Bewegungsfunktionen und sollen diese erhalten.

Anhand einer ausführlichen Befunderhebung (Befragung) wird das Problem des Patienten genau analysiert. Anschließend werden Hypothesen über die möglichen Ursachen des Problems aufgestellt, und anschließend mittels einer körperlichen Untersuchung auf ihre Richtigkeit/Relevanz überprüft.

Ziel ist das Finden von abnormalen Störungen (Dysfunktionen) an Gelenken, Weichteilstrukturen oder an das Nervensystem. Hierbei ist es wichtig die komplexe Zusammenhänge zwischen die verschiedene Körperstrukturen und Körperregionen zu erkennen und zu berücksichtigen.

Die Behandlungstechniken umfassen u.a. passive und aktive Gelenkmobilisationen, stabilisierende Gelenktechniken, Weichteiltechniken oder Mobilisationen des Nervensystems.

Innerhalb der manuellen Therapie sind verschiedene Konzepte und Strömungen vorhanden, welche unterschiedlich In unserer Praxis werden angeboten:

MTM = Manuelle Therapie nach Marsman (NL):
Die MTM, ist eine spezielle Untersuchungs- und Behandlungsmethode. Ihr Ziel ist die ungestörte Funktion der Wirbelsäule und die Extremitäten.

MTM betrachtet die Bewegungen der Wirbelsäule und die Extremitäten funktionell und dreidimensional. Diese so genannten physiologischen Bewegungsmuster sind individuell verschieden. Biomechanische Gesetzmäßigkeiten, Vorzugsbewegungen und die Betrachtung der Wirbelsäule und die Extremitäten als Ganzes, spielen eine bedeutende Rolle.

Zur Anwendung der MTM ist zunächst eine umfangreiche Kenntnis der aktiven und passiven Bewegungen der ungestört funktionierenden Wirbelsäule und Extremitäten erforderlich. Eine weitere Voraussetzung ist die Fähigkeit, die optimalen und die eingeschränkten Bewegungen zu bestimmen. Das Ergebnis der Behandlung wird abhängen vom Wissen über die funktionellen Bewegungen, sowie vom technischen Geschick bei der Ausführung der Handgriffe.

Die Therapie besteht aus einem behutsamen und zielgerichtetem Mobilisieren der gestörten Bewegungen. Der Patient findet so zu einer für ihn optimalen und ungestörten Haltung und Bewegung zurück.

Manuelle Therapie nach Mulligan (Neuseeland):
Das Mulligan-Konzept ist ein noch relativ junges, manualtherapeutisches Konzept, das auf dem Prinzip "Mobilisation with Movement" beruht. Bei dieser Methode handelt es sich um eine struktur- und gelenkschonende Möglichkeit, aktive Bewegung in die klassische Manuelle Therapie zu integrieren. Eingesetzt werden die Mobilisations with Movements" (MWM‘s), insofern Bewegungsbehinderungen oder Schmerzen in einem Gelenk vorliegen. Dabei führt der Therapeut eine gehaltene Zusatzbewegung aus, während der Patient das Gelenk aktiv in die eingeschränkte bzw. schmerzhafte Bewegungsrichtung führt. Wenn indiziert, kann der Patient oder Therapeut am Ende der aktiven Bewegung Überdruck in die eingeschränkte Bewegungsrichtung ausüben, um so einen maximalen Behandlungserfolg zu erzielen.

In seinem Konzept geht Brian Mulligan davon aus, dass schon ein minimaler Stellungsfehler der Gelenkpartner zueinander, Ursache einer Bewegungsbehinderung bzw. von bewegungsabhängigen Schmerzen sein kann. Dieser Stellungsfehler wird durch die Kombination passiver Mobilisation und aktiver Bewegung des Patienten korrigiert. Die Therapie ist dabei immer an die persönliche Situation des Patienten angepasst. Tritt etwa eine eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit ausschließlich im Sitzen auf, wird auch im Sitzen behandelt. Das heißt, die funktionelle Behandlung erfolgt in der provozierenden Haltung.

Manuelle Therapie nach Crafta (Holland):
Ein Konzept welche sich ausschließlich mit der Behandlung von Beschwerden in der Kopfregion, Gesichtsregion, Kieferregion und Hals/Nackenregion beschäftigt. Für weiteres sehen Sie unter Crafta.

Nervenmobilisation nach David Butler (Australien):
Die Mobilisation des Nervensystems ist seit kurzem als Konzept für die Beurteilung und Behandlung von Schmerz- und Funktionsstörungen entwickelt worden. Das Nervensystem ist mittels sogenannten mechanischer Berührungsflächen mit dem Bewegungsapparat verbunden. Die Berührungsflächen sind wiederum von den lokalen anatomischen und mechanischen Gegebenheiten und dem Körperbewegungsmuster abhängig. Das Nervensystem muss jederzeit in der Lage sein, auf Druckerhöhung, Verlängerung oder Verschiebung während Haltung und Bewegung optimal zu reagieren. Im Falle einer Störung im Nervengewebe (z.B. durch Einklemmung des Nervs oder Veränderungen der Funktion nach Frakturen/ zentrale Störungen/ Bandscheibenprobleme) kann diese Anpassungsfähigkeit verringert, und somit für Symptome jeglicher Art bei alltäglichen Tätigkeiten verantwortlich sein.